Wachs ist mein Material geworden und seit gut 20 Jahren der Werkstoff, anfänglich mit Acrylmalerei kombiniert, der diese immer mehr verdrängt hat.

Nach stark farbigen Phasen hat sich in letzter Zeit die stärker auf Erdtöne reduzierte Farbpalette in Malerei und Zeichnung durchgesetzt. Das Bruchstückhafte als Bildidee formuliert sich in Gesteins- oder Felsformationen, die – oft schwebend – den Bildraum füllen.

Das hat mich zur dreidimensionalen Form geführt. Die Serie von Objekten, wie ich sie in Abgrenzung zum Begriff „Skulptur“ nenne, habe ich unter dem Titel „Lost & Found“ zusammengefasst.

Es entstanden zügige Skizzen, die ich mir als Boden-Objekte in einer Ansammlung von mehreren vorstellte. Mittels eines Kerns aus Styropor bin ich in der Lage, die spontane Form-Idee in ihrer Vorläufigkeit und Flüchtigkeit zu erhalten. Der plastische Aufbau erfolgt mit Wachs, hier lediglich mit weißem Pigment gebunden. Die abschließende Behandlung mit Asphaltlack macht Glätte oder Struktur der Oberflächen perfekt sichtbar.

Mich interessiert das Offene, das Unvollendete oder auch Fragmentarische, das wie ein Fundstück aus einer unbekannt bleibenden Ganzheit auf diese verweist.

Die Objekte wollen keine „Skulptur“ sein, die isoliert auf einem Sockel präsentiert und erfasst werden soll. Von Anfang an als chaotische Ansammlung gedacht, sollen sie idealerweise sich in Gruppen ergänzen und widersprechen. Es gibt die schalen- oder schüsselartigen Formen, die zwischen keramischem Erzeugnis, Fragment und urzeitlicher Knochenform oszillieren. Mit der Hinzunahme von Seilen, die aus den Formen wachsen, entstehen Zwitter vegetabilen und kreatürlichen Ursprungs. Diese gehen über in Formen, die einen frühzeitlichen menschlichen Gebrauch nahe zu legen scheinen und enden schließlich in archaischen architektonischen Fragmenten, die mithilfe vager Rechtwinkligkeit für menschliche Bearbeitung stehen.Allesamt Fundstücke eben, die sich Eindeutigkeit zu entziehen suchen und in ihrer fahlen knochenartigen Farbigkeit einer archäologischen Ausgrabung entstammen könnten.

Es geht mir nicht um die „schöne“ Form im Figurativen wie im Geistigen. Formidee ist der Übergang des Stofflichen zwischen Entstehen und Vergehen, das Ungeklärte ihrer prekären Existenz. Insofern ist der eigentlich fragile Kern, seine durchaus verletzliche Oberfläche und nicht zuletzt seine im Prinzip immer veränderbare Farbigkeit die Synthese von Sinn & Form.Es wird keine Erzählung angestimmt, und doch wird das assoziierende Betrachten angeregt zu einem Reflektieren über das Gewesene und das zu Werdende.

Bernd Brach

Lost & Found Lost & Found